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Medikalisierung und Geschlecht zwischen Optimierung, Pathologisierung und Gesundheitsförderung

Geschlechtsspezifische Medikalisierung ist für Frauenbewegungen sowie für die Frauen- und Geschlechterforschung seit deren Anfängen ein zentrales und kritisch betrachtetes Thema. Der Schwerpunktteil der aktuellen GENDER-Ausgabe beschäftigt sich mit der Frage, wie sich das Verhältnis von Medikalisierung – verstanden als Erweiterung des Zuständigkeitsbereiches der Medizin – und Geschlecht heute beschreiben lässt. An die Stelle der Krankheit treten andere und zum Teil schwächere Kategorien wie die von Risiko, Verdacht oder Gesundheitsförderung, aber auch Optimierungs- und Korrekturwünsche, wobei vor allem der Frauenkörper als defizitär und behandlungsbedürftig konstruiert wird. Die Beiträge konzentrieren sich dabei insbesondere auf den Bereich der Körperlichkeit und der Reproduktion als zentrale Orte des Diskurses. So wird u. a. kosmetische Intimchirurgie als neuer Trend kritisch betrachtet, die Verknüpfung von körperlichem Erleben und medizinisch-technisiertem Wissen in der Schwangerschaft herausgestellt und die europäische Gesundheitspolitik in Zusammenhang mit der Bevölkerungspolitik der EU gebracht.

Herausgeberinnen: Charlotte Ullrich, Beate Kortendiek